Topic_forwardVom 20.04. – 23.04.2017 fuhr ich zusammen mit zwei Coworking-Kollegen nach Wien um das Forward-Festival zu besuchen. Neben der Motivation, dieses Festival zum Teil meines Jahres des Lernens zu machen, hoffte ich insgeheim, es könnte ein Pendant zur Republica sein, welche ich seit mehreren Jahren in Berlin besuche.

Irgendwo hatten wir vor einigen Monaten vom Forward-Festival gelesen, welches in Wien, München und Zürich stattfindet. Spontan beschlossen wir nach Rückfragen in der Gelben Fabrik (Coworking Space in Dornbirn) zu dritt alles zu buchen. Tickets für den Zug, Übernachtungen im Motel One am Prater und stolze 200€ für die Festival-Karte wurden investiert. Der Preis ist vergleichbar zu jenem der Republica und die Erwartungen waren entsprechend hoch.

Leider wurden wir drei sehr enttäuscht vom Festival und der Organisation. Das begann bereits beim Check-In, welcher den kompletten Zeitplan durcheinander brachte. Eine enorme Menschenschlange wuchs bis auf die Straße, während das Personal völlig gelassen und entspannt abfertigte. Das Programm startete entsprechend später.

Grundsätzlich kam ein gemeinsamer Bedarf ans Licht, welchen alle Speaker zu teilen schienen:
„Don’t waste good ideas on companies“ war u.a. ein Appell an die kreativschaffenden Zuhörer.
Die Beschränkungen durch Kunden oder gar das Abgrenzen in Projekten wurden thematisiert und aus vielen Perspektiven beschrieben.

Snask, vor Authentizität strotzen!

Kleines Highlight am ersten Tag war die Agentur Snask aus Schweden.
Sie traten mit Rockeroutfit auf und spielten bemerkenswert gute Musik um Vortragstitel anzukünden.
Der gesamte Vortrag war weird und absolut irre, jedoch zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt.
Die Agentur ist bekannt durch das weltweit erste Bier für Duschende oder das Rebranding von Nord-Korea (Freies Projekt)

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A Color Bright – Sprach mir aus der Seele!

Davide Bortot, der Macher von A Color Bright, einer Berliner Agentur, brachte in seinem Vortrag die Ur-Motivation auf den Punkt: „Let people and projects grow“ ist seine Devise, welche mir sehr gut gefällt.
Er stand auch vor der Herausforderung, eher für zu viele Tätigkeiten Leidenschaft zu haben und dadurch nicht im Rahmen eines klaren Brandings greifbar zu sein.
Ich werde versuchen, ihn bei meinem nächsten Berlinbesuch zu treffen um mich mit ihm auszutauschen.

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Sarah Illenberger – Eine sanfte Brise

IMG_3696Zugegeben eher zufällig saß ich bei dem Vortrag von Sarah Illenberger. Sie referierte über ihre Arbeit und zeigte dabei ein paar ihrer Werke. Erstaunlich klar kam sie für mich daher. Sie ging stets dem nach, was ihr Spaß machte, lebt in völliger Harmonie mit sich und ihrem Umfeld und fördert ihre Kreativität und ihren Blick für das, was oft ungesehen bleibt. Ihre Arbeiten sind sensibel, filigran, leicht und haben den höchsten Anspruch an Design und Wirkung. Sie selbst achtet sehr auf Nachhaltigkeit und ist Umsichtig was Natur und Ressourcen angeht, was sie nur noch sympathischer macht.
Hier gibts mehr über ihre Arbeiten zu begutachten.


Dieses Motiv kennt man mittlerweile von seinen Nachahmungen.
Ursprünglich hatte Sarah Illenberger die Idee hierfür.

LWZ – RingGingBling

LWZ sind crazy gut! Sie machen einfach und leben dabei urbane Kreativität.
Ein super Beispiel sind die entstandenen Rauminstallationen im Rahmen eines freien Projektes.
Erstaunlich ist, wie dieses Projekt richtig zu fliegen begann, ohne, dass man dafür einen Plan oder Konzept schrieb!

Hier geht’s zum Projekt.

Pfadfinderei – First Class Digital Shit

Mega! Ich bin einem der Macher der Bühnenshow und des Videos für Moderat begegnet und habe mit ihm auf Augenhöhe gequatscht. Der Vortrag des 2,05m großen Berliners Niklas Serenus Völker alias „Codec“ war inspirierend und unterhaltsam zugleich. Die Projekte waren spannend, vektorbasiert und wahnsinnig kreativ. Wie zum Grundtenor passend hat auch die Pfadfinderei ein eigenes Projekt gelauncht, welches ich super spannend finde. #monolith

Beim nächsten Berlinbesuch werde ich die Pfadfinderei besuchen und mir anhören, wie alles entstand.
Im September komme ich sogar in den Genuss, die Bühnenshow beim Moderat-Konzert in Berlin live zu erleben.

Hier geh’s zum Projekt.

Friedrich Liechtenstein – Von Supergeil zum Supergau

Das Organisationsteam hatte bestimmt auch ohne sein Fernbleiben schon einiges zu tun und geradezubügeln. Der Supergau passierte, als zwei unbekannte Personen auf der Bühne kamen, sich auf Stühle setzten und anfingen zu erzählen. Erst nach rund 20 Minuten Monolog kam die Info, dass Friedrich Liechtenstein nicht erscheinen würde und sie die beiden Organisatoren waren.
Der EDEKA-Opa blieb dem Festival fern. Begründung dazu gab’s keine.
Vielleicht hätte man die Vorwarnung im Programm ernst nehmen sollen:
Wer keine kiffenden Bekannten hat, wird es nicht verstehen… steht dort geschrieben. Vielleicht hätten wir kiffen sollen.

Erik Spiekermann – Der Häuptling

IMG_3705Erik Spiekermann hat die Gestalterbranche wie nur sehr wenige geprägt. Er ist einer der einflussreichsten Typographen und Designer unserer Zeit.
Sein Vortrag war erfrischend frech, routiniert und inspirierend. Sein Erfolg und seine Erfahrung geben ihm Recht, was man am Selbstbewusstsein bei der Äußerung seiner Worte bemerken konnte.

Mit sieben Tipps ging er ins Rennen und moderierte anhand von Beispielen und lockeren Sprüchen:

  1. We work for your customers. We may have to take their side at times.
  2. Challenge us. Complacency is the enemy of great design.
  3. We don’t give answers. Unless we can explore the question.
  4. We are not suppliers. Partnership gets the best results.
  5. Talk to us. We thrive on feedback.
  6. Trust us. You hired us because we do something you can’t.
  7. Pay us. Our work adds to your bottom line, so invest in our future.

Unternehmen sowie Kreativschaffende landen leider immer noch in der Situation von kostenlosen Pitches, da sie sich über die Auswirkungen auf die Kreativbranche nicht im Klaren sind. Schön, dass Erik Spiekermann auch dieses Thema aufgriff!

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Fazit:

Leider ist das Forward-Festival nicht annähernd so gut organisiert wie die Republica in Berlin, kostet viel zu viel und hinkt an noch sehr vielen Stellen.
Vielleicht ist der Vergleich mit der Republica ein wenig streng, doch wurden viele grundsätzliche Fehler gemacht. So wurde z.B. kein einheitlicher Hashtag kommuniziert, über welchen man sich austauschen konnte, ganz von einer nicht vorhandenen Social Media Redaktion zu schweigen.

Ich selbst werde das Forward-Festival zumindest nicht mehr primär anpeilen, wenn es um Fortbildung und Inspiration geht und warte lieber ein paar Jahre, bis dort evtl. etwas mehr Struktur herrscht. Das Niveau der Speaker  war sehr hoch und gut ausgewählt!