Nach vielen Gelegenheiten in den letzten Monaten war es am 3. Tag der 11. Re:publica Berlin nun endlich soweit. Ich hatte mein erstes Mal. Ich hatte das erste Mal eine VR-Brille auf und begab mich in den interaktiven, virtuellen Raum.

Alles fing am ZDF-Stand auf dem Re:publica Gelände an.
Meine Neugier trieb mich in die Näher einer Fakenews-Ratewand, an welcher Kacheln hingen mit Thesen darauf. Man sollte für sich raten und konnte dann nach dem Umdrehen der Kachel herausfinden, ob man richtig mit seiner Annahme lag.

Die sympathische Dame am Stand ermutigte mich nachdem Sie mir alles beschrieb, die „Aktion mit der VR-Brille“ doch mal auszuprobieren. Wiederum die Neugier brachte mich dann in folgende Situation:

Realität:

Eine Holzdiele lag auf dem Teppichboden und ein freundlicher Mann im orangenen Shirt hielt eine HTC-Vive, die dazugehörige Fernbedienung und Kopfhörer in der Hand. Nach dem Ausrüsten befand ich mich in der virtuellen Realität. Mein Seh-, Tast- und Hörsinn waren in einer anderen Welt.

Virtuelle Realität:

Ich befand mich in einem Aufzug. Durch Drücken auf den Button „Rooftop“, bei welchem die Fernbedienung vibrierte, schloss sich die Türe. Ich konnte während dem Hinauffahren um mich sehen und war beeindruckt von der unverzögerten Wiedergabe der Bilder.
Oben angekommen öffnete sich die Türe und ich sah hinaus. Kreisende Vögel, gerenderte Wolkenkratzer, Wolken und der Parallax-Effekt beim hin- und herbewegen mit meinem Kopf vermittelten den Eindruck tatsächlich auf einem Rooftop zu stehen. Beim Blick nach unten sah man den Abgrund und ein Holzbrett, welches hinaus führte, ähnlich einem Sprungbrett.

Ich habe die Kontrolle über mich selbst verloren!

Mein Selbstbild ist jenes, eines sehr schnell kapierenden, logikbasierten Querdenker und Autodidakten.
Im Vorfeld konnte ich einer älteren Frau (Video) genau zusehen, was passieren wird, da ein Monitor den Zuschauern zeigte, was der Brillenträger sah. Für mich war also klar: Führe Dir einfach immer wieder vor Augen, dass Du auf einem lächerlichen Stück Holz entlangläufst und nicht auf einem Dach stehst. Ist doch logisch!

Es war also soweit. Ich lief los und mein Gehirn glaubte dem, was es sah. Ich befand mich ohne Filter in der beklemmenden Situation, ein Holzbrett über einem extrem hohen Abgrund entlang zu laufen und am Ende sogar zu springen. Und ja, ich tat es.
Alles was ich sah fühlte ich. Meine Schritte auf dem Brett waren minimal, das Ausbalancieren ein Drahtseilakt, meine Knie zitterten, mir wurde heiss, teilweise hatte ich große Angst.
Am Ende des Bretts angekommen wurde ich von einer Stimme gebeten, nach links zu springen.
Nach sturem Zögern, Verharren, „sprang“ ich. Erst in dem Moment, als ich feststellte, nicht zu fallen, schaltete mein Hirn in einen anderen Modus.

Ich war fertig! Ich war fix und foxi. Beherrschung hatte ich nicht verloren, man sah es mir aber an, so wie ich die Reaktionen deutete als ich die Brille absetzte. Mir fiel es ca. 20 Minuten schwer, normal zu laufen.

Was für ein Erlebnis!

Ich habe große Ideen aber auch Bedenken…

…was diese Technik mit uns anstellen wird. Zwar verspreche ich mir schon einen Gewöhnungseffekt ähnlich der ersten N64-Spielkonsolenerfahrung, in welcher man wild mit dem Controller herumfuhr bis man verstand, dass sich nur die Spielfigur bewegt und man selbst ruhig da sitzt und sie bedient, doch wird das hier größer! Virtual Reality führt unser Gehirn sehr intensiv in die Irre.
Kaum war das Erlebnis verdaut fing mein Hirn an zu rattern. Ich habe extrem viele, teilweise komplexe Ideen, wie man VR nutzen könnte und brenne dafür, wie ich merke. Eines steht fest und da gebe ich Jo Wickert von der HTWG Konstanz Recht: VR wird größer als die Erfindung des Smartphones und Internets! Das weiss ich aus Erfahrung!

 

übrigens: Das Mainzelmännchen gabs als Belohnung für den Sprung.

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