Anspruchsvoller Einsatz

Der Visionierungsausflug für die Konrad Knoblauch GmbH

Alles begann herrlich zufällig. Ein persönliches Kennenlernen nachdem man jahrelang voneinander wusste, ein unverbindliches Treffen in Markdorf und die Lust, zusammen etwas zu bewirken. So nahm ich den Beginn der Zusammenarbeit zwischen Jürgen Zahn von der Konrad Knoblauch GmbH und mir wahr.

Die Aufgabe, welche sich im gemeinsamen Gespräch herauskristallisierte, war schon bei der ersten Äußerung eine gefühlte Herausforderung:
Wir wollen wissen, wo die Mitarbeiter die Firma in zwei Jahren sehen. Wo denken sie uns hin, wie sind die verschiedenen Perspektiven auf uns als große Menschengruppe?

Begriffen hatte man offensichtlich etwas sehr wichtiges: Die Mitarbeiter tragen das Unternehmen. Etwas klarer: Die Mitarbeiter wissen, jeder in seinem Bereich, am Besten über Potentiale und Defizite der Firma Bescheid.

Großer Gestaltungsspielraum und was ich draus gemacht habe

Zu Beginn stand kaum mehr als folgender Rahmen fest:

  • Wir besuchen zwei sehr unterschiedliche Kunden der Konrad Knoblauch GmbH
  • Wir werden ca. 30 Menschen sein
  • Wir fahren an einem Tag nach Münster, am nächsten Tag wieder zurück
  • Die Mitarbeiter werden nicht über Details des Ausfluges informiert
  • Die Mitarbeiter sollten sich als Hausaufgabe überlegen, welches Unternehmen sie für innovativ halten und ein Plakat erstellen, auf welchem das begründet wird.

In diesem Rahmen sollte ich ein zweitägiges Workshopformat entwickeln, welches zum Ziel hatte, die unterschiedlichen Perspektiven von 30 Personen auf die Firma abzuholen, ohne, dass ihr authentisches, durchaus auch kritisches Feedback, etwa durch Anwesenheit des Chefs o. ä., verfälscht wurde.


Ein kleiner Einblick in die zwei Tage:


Viele Disziplinen, ein Konzept

Nach Münster fährt man ca. 9h mit dem Reisebus. Es war also klar, dass ein Teil des Workshops im Bus stattfinden muss. Daher stellte ich im Vorfeld klar, dass der Bus über zwei 4er-Sitzinseln im unteren Bereich verfügen sollte. Dort sollte der erste Teil des Workshops stattfinden. Vor Antritt der Reise wurde das Busszenario anhand eines Prototypem mit den Lehrlingen des Unternehmens getestet. Wir wussten also, auf was wir uns einließen:

01. Collective Harvesting und Timeboxing

Erkenntnisse, begrenzt auf einen bestimmten Zeitraum, disktutieren und festhalten.

Zusammen mit meiner Kollegin Dragana Balinovic, welche sich für mich in den letzten Monaten als Talent in der Arbeit mit Menschen zu erkennen gab, interviewten wir alle 30 Insassen des Busses zu ihrem Plakat. Dabei definierten wir jeweils 4 Rollen pro 4er-Sitzinsel:

  • Bühne frei
  • Du bist die Brücke zu Knoblauch
  • Du bist der Knoblauch Mehrwert
  • Spitzl

Der erste Sitzplatz, direkt neben den Spitzln Dragana und mir, welche alles Gesprochene mitschrieben und gleichzeitig moderierten, war für den Kreateur des Plakates vorgesehen, welches an die Scheibe des Busses geklebt wurde. “Bühne frei” hieß es also und er erklärte 5 Minuten seine Geschichte zu seinem Plakat. Rolle 2 und 3 hatten zur Aufgabe, zuzuhören. Danach wurde jeweils 5 Minuten zur Rolle 2 und Rolle 3 diskutiert.

War die Runde fertig, rotierten die 3 Personen um je einen Sitzplatz weiter, die Spitzl blieben sitzen. So durfte eine Person nach oben gehen sobald sie alle 3 Rollen durch hatte und eine weitere nach unten schicken.

02. Das Gehspräch

Nach 9h Busfahrt ist man ja bekanntlich ziemlich müde und erschöpft. Der Bus hielt direkt am Hofgut von Pistole, dem Inhaber von Pistole Hardcore Food. Nach einer Feuerwerkeinlage für uns, starteten wir das Gehspräch an der frischen Luft.

Aufgabe war, in 3er-Gruppen zu überlegen und festzuhalten: Worin sind wir als Unternehmen so richtig gut?

Mit Klemmbrettern bewaffnet erkundeten die Teams das weitläufige Hofgut und diskutierten eifrig miteinander. Der Rest des Abends war ausgelassenes Zuhören und Feiern. Wir wurden ausführlich, kulinarisch und philosophisch verwöhnt!

03. Improvisation ist alles

Ursprünglich war geplant, bei der Firma Opus in Oelde einen Heldenreise-Workshop abzuhalten. Nach ausführlichem Frühstück, einer etwas längeren Busfahrt und dem sehr inspirierenden Vortrag von Stefan Leewe, dem Geschäftsführer der Simplicity Trade GmbH (OPUS, Someday, etc.), sollte es losgehen. Doch aufgrund der ausführlichen Feierei und einem erheblichen Umweg mit dem Bus, reichte uns die Zeit nicht mehr dafür aus.

Nachdem wir die „Gegenwart“ abgeholt hatten, mussten wir den „Ausblick in die Zukunft“, erzählt anhand der Heldenreise, verschieben. Stattdessen bildeten wir 3 Gesprächsgruppen, welche nochmals allgemein Feedback zu den beiden, sehr unterschiedlichen Begegnungen mit Pistole Hardcore Food und OPUS gaben. Natürlich wurde auch das moderiert und dokumentiert.

Die Arbeit nach dem Vergnügen

Der Erlebnisraum

Ca. 16h brachte ich nach dem zweitägigen Ausflug mit der sehr sympathischen Gruppe der Konrad Knoblauch GmbH und Dragana auf, um einen Erlebnisraum zu kreieren, welcher alle Ergebnisse und Erkenntnisse clustern und visualisieren sollte. Sinn des Ganzen war die Reflektion und Informierung der Mitarbeiter, die nicht dabei sein konnten. Ca. 3 Monate lang konnte dieser schöne Raum betreten werden und gelesen, aber auch beigetragen werden.

Weitere Schritte

Das Team der Konrad Knoblauch GmbH ließ sich auf den weiteren Prozess für Knoblauch 2020 ein, was mich persönlich sehr freut. 9 Gruppen wurden aus den Erkenntnissen und dem Feedback gegründet, welche jetzt an den unterschiedlichen Themen wie z. B. Nachhaltigkeit oder Digitalisierung arbeiten.


Learnings:

  • Die tatsächlich gelebte Unternehmensphilosophie der Konrad Knoblauch GmbH ist positives Beispiel, wie ein Unternehmen starker Anziehungspunkt für qualitative Fachkräfte sein kann. 
  • In einem Doppeldecker Reisebus kann man tatsächlich eine qualitative und konstruktive Arbeitsatmosphäre schaffen.
  • Die beiden Workshoptage waren zu eng getaktet, wir wollten zu viel. Ziel war nicht nur, eine Vision 2020 zu bekommen. Jürgen Zahn war es ein großes Anliegen, sich mit seinen Mitarbeitern auszutauschen und gemeinsam etwas zu erleben. Die Workshops hatten nicht die oberste Priorität. Eine noch bessere Rollenklärung wäre notwendig gewesen.
  • Es besteht die Gefahr, dass die Geschäftsführung mit der Führung der Moderation konkurriert bzw. beide sich gegenseitig stören. Wir hatten danach das Gefühl, der Moderatorenpart hätte mehr Führungsrolle bekommen müssen.
  • Die Heldenreiseworkshops, welche ein paar Tage nach dem gemeinsamen Erlebnis nachgeholt wurden, konnten das Gefühl des Ausflugs und den Connect zu den Fragestellungen des Ausflugs nicht wiederherstellen. Entsprechend schwierig gestaltete sich das Erstellen der Zukunftsgeschichten.
  • Alles in Allem hat dieses Format der Visionierung der Führung der Konrad Knoblauch GmbH geholfen, sich mit den Mitarbeitern zusammen auszurichten und konkrete Schritte zu gehen. Mission erfüllt!

Konrad Knoblauch GmbH
Zeppelinstraße 8-12
D-88677 Markdorf
www.knoblauch.eu


Das Projekt wurde in Kooperation mit Dragana Balinovic von mIGRA.kULT durchgeführt.